Projekt Stolpersteine

   Anlässlich unseres 50. Schuljubiläums haben wir uns dazu entschieden am Stolpersteinprojekt teilzunehmen. Im Unterricht lernen wir Schüler viel über die vergangene Zeit und das damalige Leben.
   Dadurch wird uns erst wirklich bewusst, welche gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen stattgefunden haben bis das Deutschland, so wie wir es heute kennen, entstanden ist.
   Vor allem die Zeit des Nationalsozialismus ist ein dunkler Teil der deutschen Geschichte. Unter der Herrschaft des NS-Regimes wurden sehr viele Menschen unterdrückt und verfolgt. Besonders Regimekritiker und Juden lebten in der ständigen Angst deportiert, verhaftet oder ermordet zu werden.
   Der von der Regierung propagierte Antisemitismus, der im Holocaust endete, forderte das Leben von ca. 6 Millionen Juden. Die jüdische Bevölkerung wurde in Konzentrationslager gebracht, wo sie über die Grenzen ihrer körperlichen Möglichkeiten hinweg arbeiten mussten oder vergast wurden.
   Es ist wichtig, diese Grausamkeiten nicht zu vergessen, sondern der zahlreichen Opfer zu gedenken. Das Stolpersteinprojekt des Künstlers Gunter Demnig gibt den Opfern ein Gesicht und verhindert somit, dass ihr tragisches Schicksal in Vergessenheit gerät.
   Es werden so genannte Stolpersteine verlegt, auf denen der Name, das Geburtsjahr, das Jahr der Deportation und der Todesort eingraviert sind. Die Stolpersteine werden in der Nähe des zuletzt bekannten, freigewählten Wohnortes des Opfers in den Boden eingelassen, so dass man sich verbeugen muss um die Schrift zu erkennen und lesen zu können. Dieses Vorbeugen soll eine symbolische Verbeugung, die dem Opfer Respekt erweisen soll.
   Die Steine werden von Gunter Demnig und dem Bildhauer Michael Friedrichs-Friedländer in Handarbeit hergestellt, um ein Zeichen gegen die maschinelle Menschenvernichtung zu setzen. Die Künstler bringen uns dazu, dass wir über die Steine „stolpern“  und nicht wegsehen und vergessen können.
   Seit Beginn des Projektes am 24. September 1997 wurden bis heute ca. 48.000 Stolpersteine in über 750 Städten verlegt, auch außerhalb Deutschlands.
Marie Rösing, Ronja Krusenbaum

"Stolpersteine" für die Familie Julius Meyer

Julius Meyer wurde als Sohn von Hermann und Elise Meyer am 19. Februar 1881 in Mülheim an der Ruhr geboren. Mit seiner am 9. Juli 1879 in Krefeld geborenen Ehefrau Rosa, geb. Salberg, hatte er fünf Kinder, von denen die beiden jüngsten Töchter, Sally und Therese, im Säuglingsalter starben.
Ab 1903 leistete Julius Meyer den obligatorischen Militärdienst und war sehr wahrscheinlich auch Kriegsteilnehmer, da er 1921 nicht am ersten feststellbaren Wohnsitz der Familie, Mellinghofer Straße 69, gemeldet war.
Die Arbeiterfamilie verzog 1924 in die Nordstraße 80 und 1934 zum Adolf-Stöcker-Platz 3. Seit dem 19. Dezember 1938 hatten Julius und Rosa Meyer sowie ihre am 29. Juli 1911 geborene Tochter Else ihren Wohnsitz Duisburger Straße 87.
Else Meyer arbeitete bis Juni 1938 in verschiedenen Essener Haushalten als Dienstmädchen.
Der älteste Sohn Alfred, geboren am 13. Oktober 1909 und von Beruf  Metzger, musste, bedingt durch die Wirtschaftskrise in Deutschland und die beginnende Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung, häufig seinen Aufenthaltsort und seinen Arbeitsplatz wechseln, ließ sich aber nach seiner Heirat mit Trude Altmann 1936 in Essen nieder. Von hier wurden Alfred und Trude Meyer am 1. März 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Der jüngste Sohn Hermann, geboren am 19. Januar 1913, zog 1934 nach Urfeld (Kreis Bonn) und emigrierte 1936,  wie viele junge Zionisten, nach Palästina. Hier eröffnete er später ein Fahrradgeschäft in Afula und gilt seitdem als Pionier des Radfahrens in Israel. Hermann änderte seinen Vornamen und nannte sich nun Shmuel Meyer.
Vater Julius, Mutter Rosa und Tochter Else Meyer wurden am 11. Dezember 1941 vom Güterbahnhof Düsseldorf-Derendorf mit einem 1007 Menschen umfassenden Sammeltransport ins Ghetto nach Riga deportiert. In diesem waren kurz zuvor, am berüchtigten „Rigaer Blutsonntag“ die lettischen Juden ermordet worden, um Platz für die Deportierten aus dem Deutschen  Reich zu schaffen.
Die schrecklichen Umstände der Deportation nach Riga sind u.a. durch den Abschlussbericht des verantwortlichen Hauptmanns der Schutzpolizei, Fritz Salliter, genau dokumentiert. Bereits am 10.Dezember 1941 waren die Meyers in Düsseldorf eingetroffen und mussten die etwa fünf Kilometer lange Strecke bis zum Schlachthof zu Fuß zurücklegen. In einer stinkenden, eiskalten Halle mussten die über tausend Menschen die Nacht meist im Stehen verbringen, weil es keine Sitzplätze gab, den Schikanen des Wachpersonals ausgesetzt. Nach einem zwölfstündigen Aufenthalt, gegen vier Uhr morgens am 11. Dezember 1941, mussten die Juden  zum Güterbahnhof  Derendorf  laufen und aufgrund organisatorischer Schwierigkeiten seitens der Reichsbahn  wieder eine vierstündige Wartezeit an der Verladerampe verbringen, bis sie nach einer überstürzten, chaotischen Abfahrt insgesamt 61 Stunden bis zum Zielbahnhof Skirotava bei Riga unterwegs waren.  Da sie dort am Abend eintrafen, mussten sie die Nacht im ungeheizten Zug, bei einer Außentemperatur von  -12 C0, verbringen. Erst am Morgen konnten die deutschen Juden den Zug verlassen und wurden ins Ghetto gebracht.
Das weitere Schicksal  von Julius, Rosa und Else Meyer ist unbekannt: Sie wurden 1945 für tot erklärt.
Shmuel Meyer stellte für die ermordeten Eltern und Geschwister Gedenkblätter in der Gedenkstätte „Yad Vashem“ in Israel ein.
Doris von Bancels